(Vorläufig) Letzter Wochenbrief in Coronazeiten

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Off 21,1)

Heute schreibe ich den vorerst letzten Wochenbrief – in der Hoffnung, dass wir uns zukünftig wieder werden treffen können.
Was ist in diesen vier Monaten nicht alles passiert: Das Studium hat sich grundlegend verändert. Der Alltag und das soziale Leben sind auf den Kopf gestellt. Mit manchem habe ich mich arrangiert, mit vielem tue ich mich noch immer sehr schwer, einiges will ich nicht akzeptieren. Die politischen Auseinandersetzungen, scheint mir, haben an Schärfe gewonnen, zugleich zeichnen sich die die ersten Konturen einer neuen Einstellung zum Leben ab. Und genau hier sehe ich uns – die ESG – in der Verantwortung. Wir können einen wichtigen Beitrag zu dieser neuen Lebenseinstellung liefern, denn wir verfügen über Sinnressourcen, die in den gegenwärtigen Diskurs einzuspeisen hilf- und segensreich sein kann. Was das genau ist, darüber weiter nachzudenken und ins Gespräch zu kommen – untereinander und mit anderen –, das ist nach meinem Empfinden die Aufgabe der nächsten Wochen und Monate.
Wir gründen uns dazu neu im Sinn, suchen die Quellen unseres Vertrauens und unserer Lebenszuversicht auf, vielleicht mit Worten aus Psalm 23:
Der Herr ist mein Hirte.
Er kennt mich.
Mir wird nichts mangeln.
Er sorgt für mich.
Ich habe keine Angst.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Wenn ich nicht mehr weiter weiß,
wenn ich am Boden bin.
Werfe ich all’ meine Sorgen auf ihn.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen:
Immanuel – Gott mit uns.
Das ist seit jeher sein Name.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
wo die Verzweiflung wohnt,
trügerischer als die Hoffnung,
fürchte ich kein Unglück.
Denn Du bist bei mir.
Wohin ich mich wende
An jedem Ende
Nur Du,
wieder Du,
immer Du.
Aus diesem Grund- und Sinnvertrauen heraus, mit dem göttlichen DU ganz nahe bei mir kann ich auch selbst Hoffnung stiften, anderen Mut machen, die Dinge einmal ganz anders zu sehen, sich auf Neues einzulassen und das scheinbar Unmögliche ins Leben zu zaubern.
Wir werden die Welt nicht retten – das brauchen wir auch nicht, denn die Welt ist gerettet (überwunden) – aber für ein besseres, ein menschlicheres Leben in dieser Welt eintreten, das können wir, für eine Welt, in der jede/r sein darf, wo und wie sie/er sein will. Darum:
„Lasst uns Gottes versammelte Großzügigkeiten werden und seine Artisten sein, die Welt überwinden, nicht mit Leichtigkeit gewiss, aber mit Zuversicht, Geduld und Freundlichkeit. Lasst uns Nachsicht üben, wo andere den Schlussstrich ziehen. Lasst uns spielerisch auftreten, wo andere mit dem Fuß aufstampfen. Lasst uns Feinde in Freunde verwandeln.“
(Hanns Dieter Hüsch)
 

14. Wochenbrief der ESG

Liebe ESGlerInnen,

Am letzten Dienstag bei wunderbarer Abendatmosphäre feierten einige von uns eine Strandacht am
Strand von Warnemünde. Unter freiem Himmel, mit freiheitlichem Gefühl.
Pausierend, aus den verschiedensten Situationen kommend.
Durchatmend, wandernd, ruhig werdend.
Lauschend, nachdenklich, in Gemenschaft.
Schön war es dort draußen zusammen singen zu können.
Ein Sommertag, dieWärme wie ein Mantel, der Himmel blau und klar.
Wir sangen "Nun steht in Laub und Blüte" (HUT 360):
Nun steht in Laub und Blüte, Gott Schöpfer, deine Welt.
Hab Dank für deine Güte, die uns die Treue hält.
Tief unten und hoch oben ist Sommer weit und breit.
Wir freuen uns und loben die schöne Jahreszeit.
Der Sommer spannt die Segel und schmückt sich zu dem Lob,
der Lilienfeld und Vögel zu Gleichnissen erhob.
Der Botschaft hingegeben stimmt fröhlich mit uns ein:
Wie schön ist es, zu leben und Gottes Kind zu sein.
Zum Anhören oder mitsingen:

www.youtube.com/watch

(mitsympathischen Musikerinnen)
Bei diesem Lied spüre ich die Freude über den Sommer, die Blüten der Natur- und im Text klingt
für mich auch der Wunsch mit, dieses Geschenk zu gestalten und zu bewahren, in Gemeinschaft mit
anderen. Schöpfung, Freude am Aufblühen um mich herum, mich Teil davon zu fühlen und die Lust
auf Gemeinschaft- das ist für mich ganz zentral, wenn ich über Glaube nachdenke.
Frère Roger, der Begründer der Gemeinschaft von Taizé sagte einmal über das Beten:
"Zutiefst im Menschen liegt die Erwartung einer Gegenwart,
das stille Verlangen nach Gemeinschaft.
Vergessen wir es nie: Das schlichte Verlangen nach Gott ist schon der Anfang des Glaubens."
Wir sprechen über eine Krise, wenn wir über die aktuelle Situation reden, die vom Coronavirus
verursacht ist. Denken an Menschen, die unter den Einschränkungen dieser Zeit leiden, unter den
Folgen von Verlusten die damit einhergehen. Manch eine formuliert die Angst vor
unüberschaubaren Auswirkungen auf unser Zusammenleben, soziale Konsequenzen, zunehmende
gesellschaftliche Ungleichheit. Ein anderer fürchtet wirtschaftliche Konsequenzen, die noch viel
weitreichender sein könnten, als zunächst sichtbar.
Angst vor Unüberblickbarkeiten.
Eine meint, vielleicht würden gerade Missstände sichtbar gemacht, die schon länger unsichtbar
bestanden.
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.
Dazwischen fühle ich mich klein, nicht als große Denkerin, die ich eh nie war. Habe auch Ängste
vorm Unsichtbaren- und an anderen Stellen Neugierde. Träumerin bin ich. Eine, die sich gerne was
wünscht, darüber nachdenkt und nachträumt wie es sein könnte. Darüber wie es gut sein könnte
oder besser sein könnte für diejenigen, die nicht gesehen werden (können, vielleicht wollen?).
"Armut, was keine*r sehen will" - begleitet uns als Semesterthema. Lässt mich nicht nur atemlos
und gelähmt zurück über das was ich nicht sehen will. Es zeigt mir mich auch sehr ermutigende,
inspirierende Seiten. Wo mehr Ungesehenes sichtbar wird, können wir darüber nachdenken was wir
mehr in den Blick nehmen möchten und in welcher Welt und Zukunft wir leben möchten.
Die ESG-Themenabende haben mich Gemeinschaft spüren lassen, mir das Gefühl gegeben nicht
allein vor großen Fragen zu stehen, nicht allein zu träumen. Und das lässt mich auch ermutigt sein,
meinem Traum von einer Welt entgegen zu gehen, einen Hoffnungsbaum zu pflanzen, im
Vorgeschmack auf den Blütentraum, den er bescheren möge:
Aus dem Lied "Mit der Erde kannst du spielen" (HUT 363):
Auf der Erde kannst du stehen, stehen, weil der Grund dich hält,
uns so bietet dir die Erde einen Standpunkt in der Welt.
In die Erde kannst du pflanzen, pflanzen einen Hoffnungsbaum,
und er schenkt dir viele Jahre einen bunten Blütentraum.
Eine Hand voll Erde, schau sie dir an.
Gott sprach einst es werde! Denke daran.
Ich wünsche euch herzlich eine gute Woche, schöne lange Sommerabende, blütenreich, warm,
duftend. In Mut, Hoffnung, Gleichgewicht.
Gott stärke, was in dir wachsen will,
sie schütze, was dich lebendig macht.
Gott schenke dir, was für dich heilsam ist
und schaue darauf, was du freigibst.
 

13. Wochenbrief der ESG

13. Wochenbrief
Liebe ESG,


„Einsam bist du klein,
aber gemeinsam werden wir Anwalt des Allmächtigen sein.“


Dieser schöne Kanon, den wir auch schon gemeinsam in der ESG gesungen haben, geht mir immer
wieder durch den Kopf, nicht zuletzt dank der eingängigen Melodie

www.youtube.com/watch

Inhaltlich hat er eine einfache, aber doch wichtige Botschaft: Es geht um Gemeinschaft. Gemeinschaft und Gemeinde, das hängt sehr stark zusammen. Deshalb ist es sehr schön, dass wir in der Gemeinde in den letzten Wochen – ob digital über Zoom oder in den letzten Wochen teilweise auch live und in Farbe – diese Gemeinschaft. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist nach wie vor stark. Immer wieder wird uns Gemeinschaft und Zusammenhalt gepredigt – gerade in Zeiten von Corona scheint es wichtig, dass wir da „alle gemeinsam“ drinstecken und es „alle gemeinsam“ durchstehen müssen. Und doch fällt in letzter Zeit vor allem in den Medien immer wieder das Wort „Spaltung“. Die Gesellschaft ist gespalten – sei es wegen der Corona-Maßnahmen, die unterschiedliche Reaktionen hervorrufen oder ganz aktuell die gereizte Situation zwischen Regierung und Teilen der Bevölkerung in den USA und damit einhergehend Proteste und Überlegungen in der ganzen Welt bezüglich Rassismus. Gemeinschaft wäre gerade in diesen Zeiten und bei diesen Themen besonders wichtig. „Black Lives Matter“ ist eine wichtige Botschaft – die Rezeption dieses Spruches ist
jedoch alles andere als Der christliche Glaube scheint eine Antwort darauf zu finden, die sich nicht nur im vorangestellten Kanon, sondern auch in der Bibel findet: Gemeinschaft. Paulus spricht von einem Leib mit vielen Gliedern. Gemeinschaft bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein, aber Unterschiedlichkeiten und Unterschiede zu tolerieren, wenn nicht sogar zu akzeptieren, und Brücken zu bauen. „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen“ ist ein weiteres Lied, das mir mitunter als Ohrwurm in den Sinn kommt:

www.evangeliums.net/lieder/lied_wir_wollen_aufstehn_aufeinander_zugehn.html

Auch hier steht die Gemeinschaft im Vordergrund.
Ihr seht, das Thema scheint im Alltag allgegenwärtig. Vielleicht konnte ich euch an dieser Stelle
auch den ein oder anderen Ohrwurm verpassen.
 

12. Wochenbrief der ESG

Sommerpsalmen
Herr,
Es gibt Leute, die behaupten
Der Sommer käme nicht von dir
Und begründen das mit allerlei und vielerlei Tamtam
Und Wissenschaft und Hokuspokus
Das keine Jahreszeit von dir geschaffen
Und dass noch keiner dich bewiesen hätte
Und dass du nur ein Hirngespinst.
Ich aber hör nicht drauf
Und hülle mich in deine Wärme
Und saug mich voll mit Sonne
Und lass die klugen Rechner um die Wette laufen.
Ich trink den Sommer wie den Wein
Die Tage kommen groß daher
Und abends kann man unter deinem Himmel sitzen
Und sich freuen
Dass wir sind
Und unter deinen Augen
Leben.
Diese Worte von Hanns Dieter Hüsch lese ich gern. In den letzten Tagen fand ich sie besonders
passend. Der Sommer hat zwar kalendarisch noch nicht begonnen, aber das Sommergefühl breitet
sich in mir aus.
Sehnsüchtig, durstig war ich danach.
Nach wärmenden Sonnenstrahlen, schweren blumigen Düften in der Luft, langen Abenden.
Nach Schwimmen im See, Lesen im Gras, barfuß Spazieren am Strand im Sand.
Nach freudig-lachenden Gesichtern, Pistazieneiserinnerungen, Bewegung um und in mir.
Den Lächelnden antworte ich mit einem Lächeln und merke – wie gut das ist.
Mich freuen, dass ich bin - das kann ich gerade ganz gut.
Ich spiele selbst oder höre anderen dabei zu:

https://www.youtube.com/watch?v=PibCpuiwBpM'

George Gershwins Komposition aus der Oper Porgy and Bess ist ein Wiegenlied und ich mag es,
mich wie das Kind, dass Bess in ihren Armen wiegt, von der Musik beruhigen zu lasen.
Mit dem Text besingt Bess das leichte Leben in Sommerzeiten, während die Stimmung molligtraurig
ist, das Kind ein Waisenkind.
Das Kind in ihren Armen ist geborgen.
Lebt - unter Deinen Augen.
Geht leicht in den Sommer unter gottes mütterlichem Segen.
Seine Zärtlichkeit und Liebe umfange euch.
Ihre Kraft ermutige euch, neue Wege zu gehen.
Der Segen sei mit euch allen.
Amen

 

11. Wochenbrief der ESG

In einem Pfingstlied, mit dem ich in Kindergottesdienst und Jugendkirche groß geworden bin und das ich sehr liebe, heißt es in der ersten Strophe:

„Türen sind verriegelt, Augen blicken bang.
Menschen fürchten Menschen. Keiner wird mehr froh.“

So oder doch so ähnlich haben wir es in den letzten Wochen oft erleben müssen: Angst vor Ansteckung, Unsicherheit, was man darf und was man nicht darf, bange Blicke, wie es wohl mit dem Studium, mit der Wirtschaft und überhaupt weitergehen wird. Ängste und Sorgen, die wir alle mehr oder weniger intensiv teilen.

Und dann wird es auch in diesem Jahr wieder Pfingsten! Der helle Tag ist da und das Leben verwandelt. Denn:

Am hellen Tag kam Jesu Geist.
Alle wissen jetzt, was Freude heißt!

So lautet der Kehrvers dieses Pfingstliedes von Dieter Trautwein aus dem Jahr 1967; und so lautet mein Pfingstgruß an Euch: Jesus lebt und seine Geschichte geht weiter. Wir sind seine Zeugen bis an die Enden der Erde und für alle Zeit, dass Glaube, Hoffnung und Liebe jeden Menschen seines Lebens von Grund auf froh machen.

Alle wissen jetzt, was Freude heißt!

10. Wochenbrief der ESG

Es gibt Momente, da steht man plötzlich neben sich.
Eine unverhoffter Anruf, eine verstörende Nachricht
oder auch ein zauberischer Augen-Blick lässt einen
aus dem Tritt geraten. Nichts scheint sich mehr von
selbst zu verstehen, im Gegenteil: Mit einem Mal
scheint alles fraglich. „Ich bin völlig durch den
Wind“, sagt man dann, und: „Ich muss erst mal


meine Mitte wiederfinden.“ Wir kennen das aus dem eigenen Leben, aber wir sehen es jetzt auch im großen Maßstab geschehen: Es häufen sich die extremen Erfahrungen und noch vor kurzer Zeit kaum vorstellbare Ereignisse stellen infrage, was bisher selbstverständlich, was fraglos gültig schien. Die Unsicherheit ist groß und die Zukunft ungewisser denn je. In dieser Situation mag es hilfreich sein, sich – gegenseitig (!) – daran zu erinnern, was „in der Mitte“ bleibt, auch wenn alles schwankend und unklar scheint: Ich meine, es sei unsere Menschlichkeit, die Fähigkeit, sich in einen anderen hineinzuversetzen, sein Leid zu empfinden, auch: seine Grenzen, seine Beschränktheit zu akzeptieren, weil sie den eigenen verwandt sind. „Gott ist in der Mitte“, heißt es in einem alten Kirchenlied. Heute kann, nein: heute muss man wohl sagen, dass „Gott“ nur ein anderer Name, eine andere Bezeichnung für diese unendlich wertvolle Gabe ist: Aus einer tiefempfundenen Mitmenschlichkeit im Fremden das Vertraute, im Anderen sich selbst, im aller sich erbarmenden Gott den Menschen zu sehen, nach dem wir alle uns sehnen.

 

Eine gute Woche wünscht

Martin Kumlehn

9. Wochenbrief der ESG

Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist,
da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit. 
Franz von Assisi 

Vieles ist anderes in der Pandemie. Wir können uns nicht in leibhafter Präsenz treffen. Andachten und Gottesdienste müssen auf ungewohnte Weise gefeiert werden. Die Grenzen des Videochats werden immer empfindlicher spürbar. Und manch eine sagt: „Ich komme nicht mehr zur Ruhe, finde nicht ins Gebet.“ Mir geht das inzwischen auch oft so. Als Pastor, als Lehrer, als Familienvater muss ich erfinderisch sein in diesen Tagen: „Wie kann ich dies oder das machen, unter diesen Bedingungen?“, frage ich mich ständig – und dabei geht die Konzentration, die Einkehr flöten. Gut, dass mich dieser fünfte Sonntag nach Ostern mit seinem thematischen Schwerpunkt – dem Beten – innehalten und über das Stillwerden zu Gott nachdenken lässt.
Der Kanon „Schweige und höre“ (Duch Hohes und Tiefes 325) hilft dabei: „Schweige und höre, / neige deines Herzens Ohr, / suche den Frieden“ 
https://www.youtube.com/watch?v=APNoM8I9nbE
Wie kommt man/frau eigentlich in diese „Stimmung“? Wie kann es gelingen, die Stille und den Gedanken Gottes in sich miteinander zu verbinden? Der Hinweis, den Jesu gibt ist bekannt: „Wenn du betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viele Worte machen, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet.“ (Matthäus 6,6-8). Das Gespräch der Seele mit Gott, das Gebet, braucht die Stille, die Abgeschiedenheit vom anderen des Lebens. Sein Ort ist, wie Jesus es formuliert hat, das stille Kämmerlein. Ganz allein mit dir selbst musst du dich ins Verborgene wagen. Innehalten. Schweigen und Hören, Schauen und dich besinnen, auf dich und dein Leben in der Unendlichkeit der dich umgebenden Welt.

Du wirst merken, nah, ganz nah ist er dir, der verborgene Gott. Er sieht ins Verborgene und hört auf Unaussprechliches: die Erleuchtung im Geheimnis deines Lebens und dieser Welt.
„Wenn ihr betet, dann sollt ihr viele Worte machen“, sagt Jesus. Und recht hat er. Die vielen Worte bringen es wirklich nicht. Sie sorgen nicht dafür, dass das Geheimnis, der Sinn des Lebens sich dir erschließt. Wichtig wäre, dass du merkst, wie sehr du dich in allem, was du schaust, denkst, sagst und tust, immer schon in diesem Sinn bewegst. Dass Gott nahe ist, näher als ein jeder, eine jede von uns sich selber ist. Er weiß, was ein/e jede/r von uns braucht, ehe wir ihn darum bitten.
Überleg doch, wie du Gott rufst, alltäglich. Vielleicht nennst du ihn nur anders. Aber du rufst ihn, gerade dann, wenn du dich über eine gute Idee, über eine gelungene Begegnung freust, wenn dir von den Lippen kommt, was fehlt und wessen es bedarf, damit das Leben gelingen kann. 
Überleg doch! Wann etwa sagst du „Ach“ oder „Du“.
Ach – wenn du leidest.     
Du – wenn du staunst.
Ach – wenn du dich freust.
Du, wie furchtbar. Ach, wie großartig. Du, wie schön.
Wenn du weinen kannst, wenn dir die Augen aufgehen, wenn dein Herz große Sprünge macht, wenn du unbedingt so angegangen bist, dass der Mund sich dir öffnet: Zu einem Ach, zu einem Du: „Ach, ich freu mich so.“ – „Du, ich kann einfach nicht mehr.“ In diesem Ach, in diesem Du ist Gott da, rufst du nach ihm und wendet er sich zugleich dir zu. Denn dieses Ach, dieses Du führt dich zurück zu dir selbst, wie Gott dich will. Ein kleines, nein, ein großes Wunder!
Solches Beten, so lehrt es Jesus, brauchst du im Grunde nicht zu lernen. Denn du bist aus dem Geschick deines alltäglichen Lebens geübt darin. Was du vielleicht nur lernen müsstest, das ist, auf den guten Geist zu merken, der dich seufzen und jubeln lässt, und so nun Gott bei dir und bei allen Menschen auch selber zulassen: Als den im Seufzen aller Kreatur ebenso wie in ihrer Lebendigkeit nahen Gott.
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde“, erzählt Sören Kierkegaard, der dänische Philosoph, „als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“ Amen. So ist es, so wird es sein. 
„Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben.
mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben,
mein Vater, der mich schützt, von Mutterleibe an,
der alle Augenblick, viel Guts an mir getan.“
(Johann Olearius 1665, Ev. Gesangbuch 139)

www.youtube.com/watch

8. Wochenbrief der ESG

Vögel singen
in einer Welt
die krank
lieblos
ungerecht ist

vielleicht
haben sie Recht.

[Andrea Schwarz]

Keine Lieder. Gottesdienste müssen ohne Gemeindegesang gefeiert werden.
So lautet die (traurige) Maßgabe für Andachten und Gottesdienste in Coronazeiten. Am vergangenen Dienstag haben wir gemerkt, was das bedeutet. Unsere Taizé-Andacht konnten wir nur summen. Auch Katjas fantastisches Klavierspiel konnte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Andacht ohne Gesang doch nur eine halbe Sache ist (wenn überhaupt). Ausgerechnet an diesem Sonntag „Kantate“ steht nun das Singen im Mittelpunkt der Texte, Lieder und Gebete des Gottesdienstes. Ich meditiere einen dieser biblischen Texte aus dem 1. Samuel und lade dazu ein, anhand eines Bildes von Marc Chagall über die Bedeutung der Musik für unser Leben und unseren Glauben nachzudenken. Zunächst aber ein Stück Musik: J.S. Bach, Partita II, BWV 1004 Allemande.

www.youtube.com/watch

1 Samuel 16,14-23: 14 Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. 15 Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. 16 Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde. 17 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. 18 Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn
Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und
tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist
mit ihm. 19 Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen
Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. 20 Da nahm Isai einen Esel und
Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch
seinen Sohn David. 21 So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann
ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. 22 Und Saul sandte zu Isai und
ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen
Augen. 23 Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe
und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser
mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.
Noch einmal J.S. Bach, Partita II, BWV 1004, Courante:

www.youtube.com/watch

Wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, dich verstört, dir Angst
macht vor dem, was morgen sein wird… dann, die Knechte Sauls wissen
Bescheid, dann brauchst Du einen, der auf der Harfe gut spielen kann;
deren Klang die Seele tröstet, dein Herz beruhigt und der Verstörung
Einhalt gebietet. Denn singen, singen kannst Du nicht. Nicht so laut, wie
damals in Kindertagen, im tiefen dunklen Wald, um dir selbst Mut zu
machen.
Kein Lied auf den Lippen hast du jetzt – verschlossen sind Mund und Herz
und Seele. Darum lass uns, sprechen die Knechte Sauls zu ihm, lass uns
jemanden suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit es besser mit
dir werde, jemanden, der kundig ist ihrer Saiten, wie Hillary Hahn – oder
wie David, den Sohn Isais. Mit etwas Brot gestärkt, bei einem guten Wein
aus Isais Beständen und gelabt vom lecker gebratenem Zicklein wird er auf
der Harfe spielen mit seiner Hand und dich so erquicken, dir neuen
Lebensmut einflößen, die bösen Geister vertreiben.
Und so geschieht es, so gelangt David, bereits zum König gesalbt, an Sauls
Hof. Die Geschichte rückt die musiktherapeutischen Fähigkeiten Davids,
des späteren Königs über Israel, in den Blick und damit zugleich auch die
Bedeutung, den Wert der Musik für unser Dasein und unser
Gottesverhältnis überhaupt.
Lob des Lebens und Trost der Seele. „Ich singe dir mit Herz und Mund“
und „Ich lag in schweren Banden – du kommst und machst mich los“
Lob des Lebens und Trost der Seele. Das ist seit jeher die Doppelfunktion
der Musik: Der Lebensfreude Ausdruck zu geben, sein Lob täglich zu
singen, wie der Dichter es verlangte:
Ich danke Gott und freue mich
wie’s Kind zur Weihnachtsgabe,
dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
schön menschlich Antlitz habe.
Während Matthias Claudius sein tägliches Danklied anstimmt, greift David
in die Saiten, um die bösen Geister zu vertreiben, die sich in Sauls Seele
angesiedelt und breit gemacht haben. Manchmal gelingt es ihm, manchmal
aber auch nicht. Die Bibel erzählt davon, dass Saul in seiner Depression
das eine oder andere Mal aggressiv reagiert, wenn David zu musizieren
beginnt.
Das Herz und das Lied, die Musik und die Seele, sie stimmen von Mal zu
Mal zusammen – aber ein Automatismus ist das nicht. Es ist immer ein
freies Zusammenspiel, wenn Klänge sich mit Empfindungen innig
verbinden, wenn Herzensdinge oder Seelenschmerz musikalischen
Ausdruck finden.

Marc Chagall, der jüdische Künstler,
hat 1956 dieses Bild gemalt. Es zeigt
König David mit der Harfe in einem
solchen innig empfundenen Moment
des Ineinanders von Seelenklang und
Saitenspiel.
Den Kopf zur Seite gedreht,
den Körper leicht schräg geneigt,
bewegt von der Musik, die er spielt.
Die Linie zwischen Purpur – der traditionellen Farbe der Herrschenden –
und Orange markiert eine Diagonale, die ebenso Spannung ins Bild bringt
wie die andere, die durch die Saiten der Harfe in Gegenbewegung gebildet
wird. Fasst man diese Diagonalen ins Auge, dann neigen sich der Kopf
Davids und das Instrument auseinander. Dazu tritt eine unsichtbare
Spiegelachse. Kopf und Harfe sind wie vor einem Spiegel geneigt. Wer ist
das Original und was das Spiegelbild?
In der Überlieferung von Juden, Christen und Muslime gilt David als
Verfasser von Liedern und Gebeten, die bis heute für den Ausdruck ihrer
Spiritualität als grundlegend angesehen werden. Acht Saiten scheint die
Harfe zu haben, ganz so, wie in der Überschrift von Psalm 12 als
Ausführungsanweisung heißt: „Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf acht
Saiten“
Sieht man näher hin, dann zeigt sich: Der Krone des Königs entspricht die
obere Bordüre der Harfe. Auch sie trägt eine Krone. Nicht nur das Gesicht
Davids ist zu sehen, hinter den Saiten der Harfe scheint ein weiteres
Gesicht verborgen mit Augen, Nase, Bart … König David und König
Harfe – zwei Gesichter, zwei Persönlichkeiten besonderer Art.
„König Harfe“ – durchscheinend durch die Saiten und changierend in den
Farben. Die Farben König Davids und die Klang-Farben der Harfe
mischen sich zu „König Harfe“, wobei die Klangfarbe orange
beherrschend bleibt. Die Harfe bedeckt das Herz des Königs David – und
genau aus diesem Bereich, aus dem Herzen entspringt das zweite Gesicht,
die andere Persönlichkeit: König Harfe. Die weißen Hände „spielen“ – sie
sorgen für den Klang. Sie tragen die Farbe von Davids Gesicht. Von dort
steuert sich die Musik, aber der Klang kommt aus dem Herzen.
Und David merkt: „Ja, ich bin es, David, der sein Instrument im Griff hat,
mit meinen Händen mache ich die Musik. Und spiegele mich zugleich in
ihr – sie verändert mich – ich und mein Klang werden ein neues Ich. Nicht
zu fixieren, wie ein Antlitz oder eine Figur. Nicht konkret festzulegen,
sondern als Musik eben – klingend und verklingend. Raum und Zeit
erfüllend und verbrauchend. Ich – immer neu im Klang entstehend und
mich wandelnd – Augenblick aus dem Ewigen.“
Freilich: König David ist hier nur mit einer Gesichtshälfte sichtbar, nur ein
Auge ist zu sehen, während doch hinter der Harfe ein Gesicht mit zwei
Augen vorscheint. In den meisten Bildern, in den Chagall David malt, ist
es ähnlich. David im Profil. Nicht als Porträt.
Es gibt nämlich in David – davon erzählt die Bibel ausführlich – es gibt
nämlich in David noch eine andere Seite, den intriganten Machtpolitiker
und skrupellosen Ehebrecher. Kein idealer, vorbildhafter Herrscher,
sondern ein Mensch mit Irrtümern, Abseiten, Versäumnissen und Fehlern.
Marc Chagall scheint sich gleichwohl – oder vielleicht gerade darum mit
ihm – identifiziert zu haben. Jedenfalls hat er diese biblische Erzählfigur
besonders geliebt, vielfach dargestellt, lithographiert und gezeichnet.
Fünf Monate vor seinem Tod, am 6. November 1984 vollendet Chagall
97jährig seinen großen Glasfensterzyklus in der Mainzer Stephanskirche.
Alle seine Fenster hatte er bisher mit seinem Namenszug signiert. Doch
jetzt fehlt seine Unterschrift. Stattdessen steht an dieser Stelle zum letzten
Mal König David – wieder in Rot, mit der Königskrone, im Profil.
Und er nimmt die Harfe und spielt darauf mit seiner Hand – und es wird
besser mit ihm und der böse Geist weicht.
Hoffentlich können wir bald wieder gemeinsam musizieren und singen:
Für den Gemeindeabend am 30. Juni haben wir eine Musikalische Andacht
geplant….
Herzlich grüßt
Martin Kumlehn

Veranstaltungshinweis:

Am Dienstag, 12. Mai, lädt die ESG ab 19:00 Uhr zu einer Bibelarbeit als
Videochat mit Prof. Dr. Judith Gärtner, Rostock, ein: Lass den Armen
nicht Not leiden” (Jesus Sirach, 4,1).
An der Videokonferenz auf ZOOM könnt ihr mit folgendem link teilnehmen:

https://zoom.us/j/91604572939

Eine Einladung mit den Angaben zu den ausgewählten Bibeltexten folgt später.

 

 

 

7. Wochenbrief der ESG

Nahe ist Gott einer/m jeden von uns. In ihm leben wir, in ihm liegt unser Geschick, in ihm unser Wesen. (Apg 17,27f.)

 

„Corona? – Das ist die Strafe Gottes für eure Lebensweise!“ So las ich es unlängst in der Zeitung. Ein fundamentalistischer Gottesgelehrter (die Religionszugehörigkeit spielt hier keine Rolle) schwadroniert über die Ursachen der Pandemie. Und er weiß Bescheid. So, wie die – leider meist ziemlich religionsunfähigen – Fundamentalisten immer Bescheid wissen nicht nur, aber vor allem über Gott und was er so macht… „Glaube“, Religion also im eigentlichen Sinne haben sie jedenfalls nicht nötig.

Ganz anders klingen die Worte, die Paulus findet, als er inmitten der Orientierungskrise der kulturellen Hauptstadt seiner Zeit – auf dem Areopag in Athen – von Gott zu reden versucht, tastend und vorsichtig, wenn auch nicht ohne Wahrheitsanspruch: „Gott, der die Welt und was in ihr lebt, geschaffen hat, (…) will, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn greifen und sein Geheimnis erfassen möchten. Denn nahe ist er, nahe eine/m jeden von uns. Das ist wahr! In ihm nämlich leben wir, in ihm liegt unser Geschick, in ihm unser Wesen.“

„Corona? – Was hat das mit Gott zu tun?“ Genauer müsste man fragen: „Was bedeutet die Pandemie für den Glauben an einen Gott, der Leben schafft und will, dass dieses Leben sich auf die Suche macht, um das Geheimnis zu erfassen?“

Paulus rückt – das ist deutlich – den Gottesgedanken einerseits und was den Menschen ausmacht, sein Wesen, sein Geschick, sein Innerstes andererseits ganz eng aneinander, ja identifiziert es fast miteinander: Nahe ist Gott, das Geheimnis der Welt, ganz nahe einem jeden, einer jeden von uns. In ihm nämlich leben, und weben und sind wir – wie es Martin Luther übersetzt hat. Und Luther hat selbst eine ähnliche Formulierung für das Wechselverhältnis von Gott und Mensch gefunden und gesagt: „Woran du dein Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott.“

Gott als Wort unserer Sprache markiert, worauf es ankommt, was wirklich wichtig ist, worin der Sinn hinter, oder besser: in dem Ganzen meines Lebens liegt. Im Blick auf die Erfahrungen, die wir im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie machen, stellt sich dann vor allem die Frage, wie wir mit den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, auch der Unplanbarkeit unseres alltäglichen Lebens und der Zukunft, der wir entgegengehen, klar kommen. Das aber ist im Grunde genommen die religiöse, die Gottesfrage schlechthin:

Ich komm, weiß nicht woher, ich bin ich weiß, nicht wer Ich sterb, ich weiß nicht wann Ich geh, weiß nicht wohin Mich wundert’s, dass ich fröhlich bin.

In dieser mittelalterlichen Spruchdichtung ist auf den Punkt gebracht, wie der Gottesglaube schon seit jeher als zumeist unbewusst bleibende, aber doch unser Leben tragende Gewissheit immer schon wirklich ist. Deshalb nur, weil ein Gott, weil ein guter Sinn in allen in unserem Herzen fest gegründet ist, können wir unser Leben in dieser Welt, die doch unsere Fassungskraft unendlich übersteigt, bewusst und zielorientiert führen. Gott ist uns so nah, ist in uns, hinter uns und um uns, dass wir überhaupt nur durch und mit ihm sind, die wir sind.

Daher kommt es aber auch, dass wir ihn nicht kennen, nicht so kennen, wie wir alles das kennen, was es in der Welt gibt. Denn Gott existiert nicht, wie die Dinge in der Welt oder auch wie wir Menschen, endliche Wesen die wir sind, existieren. Und er „macht“ nichts, führt keine Katastrophen herbei und straft nicht mit Hilfe von Viren…

Der Gott, der das Leben schafft und nach dem Sinn des Lebens zu fragen motiviert, ist das sich selbst in die Deutung der eigenen Erfahrung drängende ICH des Menschen, seine Seele: Darum ist er jedem/r nahe – liegt in ihm unser Geschick! Darum gilt es – gerade in den Zeiten der Krise – die Kräfte der Seele zu pflegen und die Quellen aufzusuchen, aus denen sie sich speisen.

 

„Bless the Lord, my soul, who leads me into life“ – am kommenden Dienstag, 05. Mai, 19:00 Uhr, laden wir (unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln) zur Taizé-Andacht in die ESG – Petrikirche ein.

6. Wochenbrief der ESG

Liebe – Harren – Hoffnung – Ostern – Geduld – ?

Liebe ESG,die gerade aufgezählten Stichpunkte waren die einzelnen Themen und Inhalte der vergangenen Wochenbriefe. Gestartet sind wir mit der Liebe zum Leben über den tröstlichen Vers des 43. Psalmshin zu einer hoffnungsgebenden Andacht über den 126. Psalm für zu Hause. Dann hatten wir einOstern 2020, wie wir und die Generationen vor uns es noch nicht kannten, und üben uns in Geduld,die in dieser Zeit wichtiger denn je ist.

Was ist bisher alles passiert? Was verlangt die Situation von uns momentan? Und was kommt nochauf uns zu? Beim Verfassen des sechsten Wochenbriefes habe ich mich gefragt, welche Überschriftzum jetzigen Zeitpunkt angebracht ist. Ich hatte einige Ideen, aber jede Themenfindung schien mirdie Tragweite der Krise in unseren Alltag nicht gerecht zu werden. Und so münden meineÜberlegungen in einem großen Fragezeichen. Ein Fragezeichen? Ja, an dieser Stelle möchte icheinmal den vielen Fragen, die uns allgegenwärtig beschäftigen und unbeantwortet bleiben werden,Platz geben.

Ich könnte jetzt eine Fülle von Fragen rund um die Familie, die Universität, unseren Alltag, dieEntwicklung der Pandemie etc. ausformulieren. Aber anstelle eines langen Fragenkatalogsermuntere ich Euch selbst einen Moment innezuhalten und zu überlegen, welche Fragen Dich ammeisten beschäftigen. Vielleicht hilft es, die eine oder andere Frage aufzuschreiben, sie ganzbewusst auszuhalten und sich klarzumachen, dass keine/r mit seinen/ihren Fragen alleine ist.

Auch dieser Wochenbrief wird keine Antwort auf die Unklarheiten und Ungewissheiten dieser Zeitgeben. Aber wir dürfen trotz der vielen Fragezeichen gewiss sein, dass Gott uns durch diese Zeitbegleitet. Ob wir zweifeln oder unseren Glauben finden, ob wir Ängste haben oder vollerZuversicht in den Tag starten, der Zuspruch Gottes gilt uns allen:

Der HERR segne dich und behüte dich.Der HERR lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

5. Wochenbrief der ESG

Liebe ESG,

die Ostertage sind vorbei, doch zur Normalität können wir noch nicht zurückkehren. Immerhinhaben wir mittlerweile Hoffnungsschimmer – die Regierung verspricht Lockerungen, ersteSchulklassen dürfen in den nächsten Wochen nach und nach in den Unterricht zurückkehren underste Geschäfte wie Buchhandlungen dürfen wieder öffnen. Kleine Schritte, doch es geht voran.Bis dahin müssen wir uns alle in Geduld üben und in unserem neuen Corona-Alltag fortfahren unddiesen individuell gestalten. Vielleicht liest der ein oder die andere ein gutes Buch, das er oder sieschon lange lesen wollte oder schon lange nicht mehr gelesen hat. Vielleicht sucht der ein oder dieandere Abwechslung und Erholung frei nach Goethes berühmten „Osterspaziergang“ bei Ausflügenin die Natur. Kontakte außerhalb des engen Kreises werden vor allem über Videokonferenzen undAnrufe aufrecht erhalten. Auch Kirchenbesuche und Gottesdienste sind zunächst mal meist nurnoch digital möglich. Wir alle müssen uns in Geduld üben.Geduld – das scheint dieser Tage eine besonders wichtige Eigenschaft zu sein. „Geduld ist eineTugend“, so lautet ein mittlerweile doch schon recht angestaubt wirkendes altes Sprichwort, dassicher jeder und jede schon einmal gehört hat. Und gerade heute scheint dieses doch eher alteSprichwort wieder brandaktuell. Natürlich wünscht man sich gerade jetzt eine Möglichkeit, die Zeit einfach vor zu spulen, vor zuspulen in eine Zeit nach der Pandemie, eine Zeit im Uni-Alltag und eine Zeit der Kontakte.Praktisch wäre so ein Knopf wie ihn der junge Bauer im angehängten Märchen von HeinrichSpoerl, dem Autor der „Feuerzangenbowle“, bekommt. Doch auch Spoerl scheint zu wissen, dassGeduld eine Tugend ist – denn das Märchen zeigt uns auch den Vorteil des Wartens, und vonMärchen kann man bekannterweise immer auch etwas lernen. Auch in der Bibel finden sich zahlreiche Zitate zur Geduld. Die Seitehttps://dailyverses.net/de/geduld hat 24 Bibelzitate zum Thema „Geduld“ gesammelt. Darunter einbesonders schöner aus Römer 8,25: „Wenn wir aber auf das hoffen, was wir sehen, so harren wirdarauf in Geduld.“ Hoffnung, das ist etwas, das mitunter Geduld braucht. Denn nur weil etwas nochweit entfernt ist, heißt es nicht, dass es unerreichbar ist – es braucht nur etwas Zeit.Vielleicht mag der ein oder die andere sich ja die Bibelzitate zu Gemüte führen – sie passennatürlich nicht nur gerade jetzt zur aktuellen Situation, sondern können auch so Kraft und Trostspenden. Natürlich soll es auch trotz Corona mit der ESG und unserem Semesterthema „Armut – was keine*rsehen will“ weitergehen. Am kommenden Dienstag, den 21. April 2020, seid ihr somit alle herzlicheingeladen zu einem Gespräch mit André Knabe, M. Sc., vom Institut für Soziologie undDemographie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. DasGespräch steht unter dem Titel „Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Wo sie auftritt, wie sichäußert und was man dagegen tun kann“. Das Gespräch wird ab 19.30 Uhr auf Zoom stattfinden, hierder zugehörige Link: https://zoom.us/j/473880188.

Wer die Geduld hatte, den gesamten Wochenbrief zu lesen, dem wünsche ich an dieser Stelle nunalles Gute für die kommenden Tage und Wochen. Bleibt gesund!

Märchen von Heinrich Spoerl über das Warten

Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Gesell und viel zu früh gekommen. Und verstand sich schlecht aufs Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an dein Wams. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zudrehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.Das war so recht nach der, jungen Burschen Geschmack. Er nahm den Zauberknopf und machte einen Versuch und drehte: Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Das ist schön undgut, dachte er, aber mir wäre lieber, wenn schon Hochzeit wäre. Er drehte abermals: Und saß mit ihrbeim Hochzeitsschmaus, und Flöten und Geigen klangen um ihn. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: Wenn wir doch schon allein wären. Wieder drehte er heimlich, und da war tiefe Nacht und sein Wunsch erfüllt. Und dann sprach er über seine Pläne. Wenn unser neues Haus erst fertig ist- und drehte von neuem an dem Knopf: Da war Sommer, und das Haus stand breit und leer und nahm ihn auf. jetzt fehlen uns noch die Kinder, sagte er, und konnte es wiederum nicht erwarten. Und drehte schnell den Knopf: Da war er älter und hatte seine Buben auf den Knien und Neues im Sinn und konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, daß das Leben an ihm vorbeisprang, und eheer sich's versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Nun hatte er nichts mehr zu drehen und blickte hinter sich. Und merkte, daß er schlecht gewirtschaftet hatte. Er wollte sich das Warten ersparen und nur die Erfüllung genießen, wie man Rosinen aus einem Napfkuchen nascht. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, daß auch das Warten des Lebens wert ist und erst die Erfüllung würzt. Was gäbe er darum, wenn er die Zeit ein wenig rückwärts schrauben könnte! Zitternd versuchte er den Knopf nach links zu drehen. Da tat es einen Ruck, er wachte auf und lag noch immer unter dem blühenden Baum und wartete auf seine Liebste. Aber jetzt hatte er das Warten gelernt. Alle Hast und Ungeduld war von ihm gewichen; er schaute gelassen in den blauen Himmel, hörte den Vöglein zu und spielte mit den Käfern im Grase. Und freute sich des Wartens.

http://www.graf-abg.de/maerchen/Warten.html

 

 

 

 

4. Wochenbrief der ESG

Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude. (Mt 28,8)

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit

Gott nahm in seine Hände Meine Zeit

Mein Fühlen Denken Hören Sagen Mein Triumphieren Und Verzagen Das Elend Und die Zärtlichkeit

Was macht, dass ich so unbeschwert Und mich kein Trübsinn hält Weil mich mein Gott das Lachen lehrt Wohl über alle Welt.

Hanns Dieter Hüsch

 

Dieses Ostern ist anders – und doch so, wie es immer war…

Die Unsicherheit ist groß und die Sorge verbreitet sich vor dem, was die Zukunft bringen wird. Der vierte Wochenbrief aus der ESG sucht dem Geheimnis von Ostern auf die Spur zu kommen. Das einleitende Gedicht von Hüsch, ein Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus und alter Kirchenchoral von Paul Gerhard markieren die Fährte….

Als der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat

hinzu und wälzte den Stein weg und sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.“ Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: „Seid gegrüßt! Fürchtet euch nicht!“ (Mt. 28,1-10)

Zwei Frauen, Maria Magdalena und die andere Maria machen sich auf den Weg, den Tod zu besuchen, das Ende, den stummen, alles Leben besiegelnden Stein. Mit dem Tod ist alles aus. So bestimmt es die Wirklichkeit; und die Wächter dieser Wirklichkeit stehen todesgewiss und aufrecht vor dem Stein.

Die Frauen kommen ans Grab und plötzlich beginnt die Erde zu beben, ein Blitz stürzt vom Himmel herunter, der schwere Schlussstein rollt an den Anfang, das Ende ist das Ende nicht mehr, die Wächter der Wirklichkeit liegen wie tot, und Er, er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

Die den Tod besuchen wollten, fliehen zurück, entsetzt! Und laufen dem Leben in die Arme – „Seid gegrüßt!“

Sie gehen weg vom Grab: Und seitdem ist das Grab immer der Ort, zu dem man geht, um von ihm wegzugehen – weil die Wirklichkeit der Auferstehung hier gerade nicht zu finden ist.

„Wen der Himmel retten will, dem schenkt er die Liebe“, sagt der Weise Laotse. Auf diese himmlische Unterstützung baut auch der Osterglaube, lässt sich vom Engel den Sorgenstein wegwälzen und sein Trostwort zu Herzen dringe: „Fürchtet euch nicht!“

Die Ostergeschichte erzählt von einem Wunder und weist uns wie jede Wundergeschichte aus dem realen Raum, aus der realen Zeit hinaus auf die andere, auf Gottes Wirklichkeit.

Zeit seines Lebens hat Jesus von dieser anderen Wirklichkeit aus seinem Herzen heraus erzählt. Von den Bildern des Gelingens, des Glücks hat er

erzählt, die ihm vor seinem inneren Auge standen: Zum Beispiel, wie einer, der sein Leben verpfuscht hat, in die offenen Arme seines Vaters heimkehrt, wie die Friedfertigen und Sanftmütigen die Macht übernehmen auf Erden und getröstet werden alle, die da Leid tragen.

Bilder, Träume, Visionen eines anderen, eines besseren Lebens. Wer ihnen Glauben schenkt, wer wie Jesus die Sehnsucht danach in der Tiefe seines Herzen aufsucht, der empfängt ein unfassliches ewiges Geheimnis.

So wie die beiden Frauen, die sich am Ostermorgen auf den Weg machen, den Tod zu besuchen … und plötzlich beginnt die Erde zu beben.

Es ist eine Vision – erst des Engels, dann des Auferstandenen selbst, ein Traum, nicht weniger wirklich als die Wirklichkeit, aber stärker als die Wirklichkeit: Die Vision, der Traum vom neuen Leben im alten.

Und genau darum, weil beides in diesem Traum ineinander gewoben wird, das Alte und das Neue, der Tod und das Leben, darum ist diese Vision, ist der Traum vom leeren Grab für die Frauen sowohl beglückend als auch erschreckend:

Eilends, schnell gehen sie weg vom Grab mit Furcht und großer Freude. Erschüttert und zugleich fröhlich versuchen sie zu verstehen, zu verarbeiten, was sie mit ihrem inneren Auge gesehen haben.

Das Neue, das Außerordentliche fügt sich nicht so ohne weiteres ein in ihre bisherige Lebenserfahrung. Es löst gleichzeitig verschiedene Gefühle aus und die Seele hinkt gleichsam hinterher, wie immer, wenn ein lebenserschütterndes Ereignis eine/n aus der Bahn wirft.

Darum hilft ihnen der Engel, das bis jetzt Ungewohnte und Ungelebte mit dem zuvor erfahrenen, nun aberplötzlich vergangenen Erleben zu verbinden und es zugleich auf ihre bereits gehegten Hoffnungen und Zukunftserwartungen zu beziehen.

„Kommt her“, sagt er, „und seht die Stätte, wo er gelegen hat.“ Seht hin: da war er. Da lag sein Leib. Seht hin: Das war eurer Leben. Das war eure Welt. Denn er, der Gekreuzigte, ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Er hat Gottes neues Leben zur Welt gebracht. Für euch. Werft

einen letzten Blick hinein. Ins leere Grab: Die Stätte eurer Vergangenheit. Weiter nichts.“

Und der Engel, der Lebensbote, die Stimme im Traum fährt fort: „Geht eilends hin, brecht auf. Kehrt den Gräbern den Rücken und macht euch auf den Weg ins Leben. Sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist. Gebt sie weiter, die Lebensbotschaft. Bringt sie den Ängstlichen, den Kranken, den Alten. Sagt es den Verzagten, denen, die sich nur noch auf das Leben diesseits der Gräber verstehen.

Und vor allem: Lasst es euch selbst hineingesagt sein in euer altes Leben. Geht eilends. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa: zurück in eure Realität, in euer wirkliches Leben, dorthin, wo ihr Angst habt vor dem, was kommt, wo ihr scheitert oder Erfolg habt oder euch den Aufgaben nicht gewachsen fühlt. Er wird euch vorangehen. Von Ostern herkommend geht sein Leben euch voraus, und ihr geht auf ihn, auf euer neues Leben zu. Siehe, ich habe es euch gesagt.“ Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude.

Weg vom Grab – eilends … und weg von der Krise, wenn auch mit „Furcht und großer Freude.“ In dieser Spannung feiern wir seit jeher das Fest der Auferstehung, den Sieg der Liebe über den Tod … und über die Angst. In diesem Jahr wird diese Spannung jedoch beinahe unerträglich: Wir fürchten die große Not und erkennen voller Freude die Hoffnungszeichen der Rettung und Hilfe, wir halten solidarisch zusammen und ahnen, dass es schlimm kommen wird – nicht nur bei uns.

Darum gehen wir im Herzen und lebenspraktisch weg vom Grab, weg von der Krise … um dem Leben neu in die Arme zu laufen.

Frohe Ostern!

 

„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“

1) Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschieht; wie kommt nach großem Leiden

nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.

2) Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh er‘s vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft „Viktoria“, schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.

6) Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach und darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach. Es tobe, was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt.

Paul Gerhard (1647) www.youtube.com/watch

 

ESG-GEMEINDEABEND als VIDEOSCHALTE

In der Woche nach Ostern laden wir am Dienstag, 14. April, ab 19:00 Uhr zu einem Gemeindeabend auf der Video-Plattform ZOOM ein. Wir wollen uns nach langer Zeit wiedersehen – wenn schon nicht physisch, dann wenigstens so…

Wenn ihr mögt, kommt doch gerne dazu und erzählt, was ihr so macht, wie es euch geht usw. Hier der link: zoom.us/j/550762493

 

Bis dahin, herzliche Grüße aus der ESG Rostock.

Bleibt gesund!

 

 

3. Wochenbrief der ESG

Lass uns unsere Gedanken sammeln zu Gott, in dessem Namen wir verbunden sind. Im Namen des barmherzigen Vaters, im Namen der belebenden Geistkraft und im Namen Jesu, wahrer Gott und doch uns gleicher Mensch.

In dieser Zeit, in der wir eingeschränkt sind, uns aleine fühlen und einsam, wütend oder traurig sind, können wir uns auch damit an Gott wenden. Im Gottesdienst dürfen wir dafür all das in den Ruf "Kyrieelaison Herr erbarme Dich" legen, hier wollen wir mit den Worten Martin Luthers beten Du kannst entweder mit singen oder einfach die Augen schließen und zuhören. 299  "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir":

https://youtu.be/Fw2vLBPHPY4

 

Die Hoffnung stirbt zu letzt sagen wir immer und von Hoffung berichtet die Bibel an vielen Stellen z.B. im 126 Psalm.

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsre Zunge voll Rühmens sein.

Dann wird man sagen unter den Heiden:

Der HERR hat Großes an ihnen getan!

Der HERR hat Großes an uns getan;

des sind wir fröhlich.

HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,

wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

Die mit Tränen säen,

werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen

und streuen ihren Samen

und kommen mit Freuden

und bringen ihre Garben.

Dieser Text spricht von einer Zuversicht, die sich auf das zukünftige Handeln Gottes gründet. Doch wir erleben Gottes Handeln auch heute, in den ersten Frühlingsblumen oder wenn plötzlich ein lieber Mensch anruft. Ja, wir müssen Zuhause bleiben, aber wir können auch Zuhause bleiben, weil wir einn Zuhause haben. Es gibt so viel wofür wir dankbar sein können - auch jetzt. Frag Dich einfach: "Womit will ich morgen noch aufwachen" Freunde? Frieden? Fließendwasser? Wenn Du Lust hast Gott zu danken, dann lass uns das nochmal mit einem Lied tun: 317 "Lobet den Herren, den mächtigen König":

https://youtu.be/pwoyMtr2SyY

Diesen Sonntag haben wir von Jesu Einzug in Jerusalem gehört und von den Erwartungen, die die Menschen daran hatten. Gottesgeschichte war aber eine andere, als die, die sich die Menschen wünschten. Dieses Thema der Erwartungen an Gott ist gerade jetzt aktuell. Wie leicht ist es zu wissen, was Gott jetzt alles tun sollte. Mir fällt dabei Paulus ein, der Gott mehrfach im Gebet anfehle ihn von einem Leiden zu befreien. Gott aber antwortete ihm: " Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." und Paulus zieht daraus folgendes: " Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne." (2.Kor.12.9).

Es tut manchmal sehr weh nicht alles in der Hand zu haben, aber wir dürfen uns von Gott gehalten wissen, der immer bei uns ist uns seines Segens gewiss sein.

Deshalb sing das letzte Lied in dem Bewusstsein, dass Du gesegnet bist:

Der Herr segne Dich und behüte Dich,

Er lasse sein ANgesicht leuchten über Dir

und sei Dir gnädig.

Amen.

Lied : 295 "Wohl denen die da wandeln"

https://youtu.be/GuuqH3fgMm4

 

 

 

2. Wochenbrief der ESG

„Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ (Ps 43,5)

Liebe ESGler*innen,

der Fastenkalender „7 Wochen ohne“ lädt dazu ein, die
Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst zu
erleben und zu gestalten. Kaum hätten sich die Autor*Innen
und Fotograf*innen wohl träumen lassen, wie aktuell dieser
Kalender in diesem Jahr sein würde…

Noch nicht sieben,  gerade einmal eine Woche mussten wir nun darauf verzichten, liebe Freunde zu treffen, uns auf einen Kaffee, zum Spielen oder gemeinsamen Essen zu verabreden, zusammen Gottesdienst zu feiern oder uns ganz einfach mal in den Arm zu nehmen. Schon fragen manche nach der Exit-Strategie für die Ausgangsbeschränkungen.  Aber wenn wir auf die Entwicklung der Fallzahlen schauen, dann ist klar, dass das Schlimmste für die meisten Menschen und Länder – auch wohl für uns – noch bevorsteht. Abwarten und geduldig sein, das ist jetzt gefragt. Und dabei zuversichtlich bleiben!

In der Bibel gibt es dafür ein besonderes Wort, es lautet: „harren“. Es klingt ein wenig altertümlich; wir kennen in unserem Sprachgebrauch vielleicht „beharrlich sein“ oder „ausharren“, womit freilich dasselbe gemeint ist: Bei einer Sache bleiben, auch wenn sich kein rascher Erfolg einstellt,  an einer Idee festhalten, auch wenn ihre Verwirklichung schwierig erscheint, eine Situation aushalten, auch wenn man/frau sich ihr lieber so schnell wie möglich entziehen möchte.

Gerade unser Grundvertrauen ins Leben, also unser Gottesverhältnis, wird in diesen Tagen auf eine große Geduldsprobe gestellt. Der Imperativ: „Harre auf Gott!“ erinnert daran, dass es gut ist und hilfreich, dem – allzu verständlichen – Impuls, es möge bald wieder alles sein wie immer, zu widerstehen und der Seelenunruhe ein Beharrungsvermögen entgegenzustellen, das sich aus dem geduldigen Ausharren an und bei der Quelle des Lebens speist: „Bleibet hier und wachet mit mir“, bittet Jesus seine Freundinnen und Freunde, die unsere Geschwister sind, in der Nacht vor seiner Verurteilung im Garten Gethsemane, eine Bitte, die mitzusingen wir alle eingeladen sind: https://www.youtube.com/watch?v=5QN9xJEyu7s

Nicht einmal eine Stunde gelingt es ihnen – und eben darin sind wir ihnen ähnlich, mit ihnen über die Zeiten hinweg geschwisterlich verbunden…

Ermutigend sind in diesen Tagen Überlegungen, die der Zukunftsforscher Matthias Horx angestellt hat und die ich gerne mit euch teilen möchte: https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/

 

„Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ (Ps 43,5)

 

Auch in dieser Woche hat meine Kollegin Ulrike Dietrich, Pastorin in Rethwisch, eine Meditation zum Wochenpsalm geschrieben, mit der ich Euch zum Schluss grüßen möchte, nicht ohne Euch von Herzen alles Gute zu wünschen: Bleibt behütet!

 

Strahlende Sonne – Seele im Nebel,

Zeit aus dem Takt – Schicksal am Hebel,

entfesselte Mächte- fremde Gewalten

besitzlose Rechte- tieftraurige Gestalten.

Ach, wär doch alles beim Alten, ja, lass selbst Ungeliebtes walten!

 

Was betrübst du dich, Seele, die meine?

Immerhin, ich hab noch eine.

Ruhelos irrt sie fragend umher: Ist da noch wer,

der mich begleitet, Rat weiß, voranschreitet?

Wie soll es weitergehn? Meine Augen wollen Ziele sehn!

 

Könnt ich die Zeit doch überspringen.

Klein ist mein Mut und groß sind die Sorgen.

Ach, müsst ich mir das Heute nicht mühsam erringen,

nicht angstvoll schauen, auf das unberechenbare Morgen.

Ich verlier mich im Gestern, da waren Leben und Lachen noch Schwestern.

 

Was sagt die Seele? Ich sollte verharren?

Durchhalten, festbleiben, nicht mutlos erstarren?

Dank wird sein, statt der Tränen, Hilfe, statt der großen Stille.

Ich soll`t mich nicht alleine wähnen.

Zukunft, dass ist Gottes Wille, die Schallplatte verharrt wohl in der gleichen Rille?

 

„Meines Angesichts Hilfe“ soll Gott sein.

Das heißt, er ist auf Sichtweite,

ist mein Mut auch erbsenklein, er bleibt an meiner Seite.

Daran lasst uns festhalten

und das Jetzt mit einfach in Anspruch genommenem Vertrauen gestalten!

 

 

 

 

 

1. Wochenbrief der ESG

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus!“ (1. Joh 4,17f.)

Liebe ESGler*innen,
mindestens bis zum 19. April wird es die ESG nun nur virtuell geben können. Das ist sehr traurig (zumal wir gerade ein tolles Semesterprogramm am Start hatten). Die Vertrauensstudierenden und ich haben verabredet, dass wir euch von nun ab bis auf weiteres einmal in der Woche eine Email schreiben, um miteinander verbunden zu sein, auch wenn wir uns nicht treffen können.

Auf die mit der Corona-Krise verbundenen Ängste reagiert ja jede und jeder von uns auf je eigene Weise. Dass sich unsere Existenz und die Welt, in der wir leben, durch die Pandemie mit einschneidenden Veränderungen konfrontiert sehen werden, ist schon jetzt ziemlich klar.  Nur wissen wir nicht, wie es genau und im Einzelnen kommen wird…

Der eine schottet sich daraufhin völlig ab, eine andere flüchtet sich in Aktivismus. Eine weiß vor lauter Sorgen und Ängsten kaum mehr ein noch aus, ein anderer nutzt die frei werdende Zeit um aufzuräumen, auszumisten und Ordnung ins eigene Leben zu bringen. Angesichts der Ungewissheit rettet sich der eine in körperliche Aktivität – eine andere wendet alle Energie darauf, ihre Angst um Eltern und Großeltern zu verdrängen: „Es wird schon nicht so schlimm werden!“

Doch – es kann, es wird schlimm werden. Und darum müssen wir – jede und jeder von uns – uns wappnen … und zwar: mit der Liebe! Um die Angst nicht verdrängen, nicht wegagieren zu müssen, versuchen wir, uns ihr ehrlich und in aller Ohnmacht zu stellen: So wie die Liebe – die Gott ist (1 Joh 4,16) – sich der Welt und ihrer Angst stellt, jeden Tag.

„Liebe“, das  ist zunächst und zuallererst die Liebe zum Leben in jeder Erscheinungsform. Gott (die Liebe) will, dass etwas ist, da ist und „lebt“! Darum – das glauben wir – darum gibt es die Welt ja überhaupt.

„Liebe“, das ist sodann die Liebe zu mir und zum/zur Nächsten. Diese Liebe, wir wissen und erfahren es tagtäglich, macht ungeheuer stark und mächtig. Sie überwindet alles … auch alle Angst. Ins Bild gesetzt ist diese Liebe in zahllosen Kreuzigungsdarstellungen oder auch in der berühmten Filmszene aus „Titanic“ https://www.youtube.com/watch?v=RnAXMrJb_9I

Sie, diese Liebe, wird uns auch durch die Krise helfen, weil wir mit ihr von uns absehen und uns um die kümmern können, die uns brauchen.

„Liebe“, das ist schließlich die Liebe, die alle umfängt.  Unser Horizont weitet sich und wir sehen nicht nur unsere Not, sondern auch die in der weiten Welt. In der Liebe teilen wir unsere Hoffnung und unsere Mittel – setzen uns ein für die, die keine Stimme haben, für die Geflüchteten und die Traumatisierten:   https://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-fluechtlingslager-moria-auf-lesbos-wir-schaffen-das-allein-nicht-a-779f2cae-cb6d-443d-b96a-3d8e43e5e6e9

Die vollkommene Liebe, also die Liebe in diesen drei Dimensionen gelebt, treibt die Furcht aus, kehrt sie aus meinem Seelenhaus heraus. Denn die Angst verschwindet wohl nicht einfach, aber sie kommt nicht (mehr) weiter als bis zur Schwelle dieses Hauses – darüber auf keinen Fall!

Der bevorstehende vierte Sonntag in der Passionszeit „Lätare“ (22.3.) feiert diese Liebe u.a. mit dem Wochenpsalm 84. Pastorin Ulrike Dietrich aus Rethwisch bei Doberan hat zu diesem Psalm eine Meditation geschrieben, die wir euch als Gebet zu sprechen einladen:

„Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln.
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen“

Der Mensch im Tal,
Einsamkeit, keine Berührung, nur hohe Wände,
das Leben wird zur Qual,
in bittrer Entfernung die heilenden Hände.

Die Sonne geht, die Sonne kommt,
die Tage gleichen einander in Schmerzen.
Was gibt uns Halt, was macht uns wieder froh,
was belebt die traurigen Herzen?

Wir ziehen weiter mit mühsam gesetzten Beinen,
denn das Leben muss immer noch gelebt sein.
Durch die Welt geht ein großes Weinen,
was kann uns dennoch einen?

Ratlos, schwach, schwer wie Stein sind die Gedanken,
was wird, wenn ganze Staaten wanken?
Doch mein Herz schlägt weiter, leise im alten Takt,
eine Lärche singt ihre bekannte Weise, für sie kein Akt.

Ja, ich bin in Furcht und verzagt,
aber da ist ungebrochen jemand, der nach mir fragt.
Jemand, der sagt: „ Lass los, deine Last,
zeig her, deine zitternde Seele.“

„Ich will sie wärmen, wie einen jungen Vogel im Nest.
Vertrau mir und deine Schritte werden wieder fest.
Ich bin deine Stärke,
denk an all meine großen Werke,
dann bleibt nur ein kleiner Rest an Zittern und Zagen.“

Wir wollen es wagen, nach vorn zu schauen!
Habt Gottvertrauen!

Viele Kirchengemeinden laden darüber hinaus zu einer besonderen Aktion ein, der wir uns gerne anschließen und bei der mitzumachen wir euch herzlich einladen: „Wir halten uns fern – und sind füreinander da. Licht der Hoffnung!“
Alle Menschen sind eingeladen, allabendlich um 19 Uhr zuhause eine Kerze oder ein Licht ins (offene) Fenster zu stellen und ein Gebet, beispielsweise das Vaterunser, zu sprechen und so  gemeinsam für den Ort, das Land, die Welt zu beten. Jeder betet für sich, doch beim gemeinsamen Gebet wissen sich dabei alle mit allen verbunden. Die Botschaft lautet: Wir sind uns nahe, trotz des Abstands, den wir derzeit zum Schutz unserer Mitmenschen wahren müssen. Die Kirchengemeinden rufen damit zur gedanklichen Zusammenkunft auf und möchten mit dem Licht der Kerzen ein Zeichen des Zusammenhalts und der Verbundenheit in ungewisser Zeit senden. (PDF-Plakat der Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern im Anhang)

Nicht nur in sozialen Medien fällt in Zeiten der Corona-Epidemie immer öfter der Begriff "Apokalypse". Dabei hat die aktuelle Entwicklung mit der biblischen Apokalypse kaum etwas gemeinsam. Experten raten, sich von Erzählungen vom Weltuntergang nicht anstecken zu lassen. Für Leute, die sich für biblische Hintergründe interessieren, ein Podcast des DLF vom 20.3., von Christian Röther.

https://podcasts.google.com/?feed=aHR0cDovL3d3dy5kZXV0c2NobGFuZGZ1bmsuZGUvcG9kY2FzdC10YWctZnVlci10YWctYmVpdHJhZWdlLjg4Ny5kZS5wb2RjYXN0LnhtbA&episode=aHR0cDovL3BvZGNhc3QtbXAzLmRyYWRpby5kZS9wb2RjYXN0LzIwMjAvMDMvMjAvY29yb25hX2tyaXNlX2Vpbl92aXJ1c19uYW1lbnNfYXBva2FseXBzZV9kbGZfMjAyMDAzMjBfMDkzNl80YzQxMTNhNC5tcDM

Viel Spaß und neue Einsichten beim Hören!

Herzliche Grüße
aus der ESG Rostock.

Bleibt behütet!

Und: Keine Furcht! – Aber ganz viel LIEBE!